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E-Learning im Jurastudium: Trainieren mit Jurcoach und strafrecht-online.org

Die Klausurvorbereitung im Jurastudium – einschließlich der Vorbereitung auf das Staatsexamen – verläuft traditionell nach dem gleichen Muster: Durch Präsenzveranstaltungen und die Lektüre von Lehrbüchern erarbeitet man sich das dogmatische Grundgerüst. Über Übungen, Arbeitsgemeinschaften und Fallbücher erlernt man die methodischen Besonderheiten bei der Anwendung des Wissens in der Klausur. Leider klappt dies nicht immer perfekt. Und auch das teilweise ergänzend angebotene sog. E-Learning im Jurastudium erschöpft sich häufig in der schlichten Bereitstellung von Übersichten sowie bestenfalls Vorlesungsskripten im Internet und ist daher keine rechte Hilfe.

Dass es hiermit nicht sein Bewenden haben muss, beweisen Roland Hefendehl und sein Team vom Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie haben die kostenlose Online-Lernplattform „Jurcoach“ entwickelt, mit der Studierende die Lösung strafrechtlicher Fälle mit unmittelbarer Feedbackmöglichkeit trainieren können.

Jurcoach setzt sich aus drei Modulen zusammen. Das Kernstück bildet das „Falltraining“, das exakt die Schritte simuliert, die es während einer Übung oder im Examen bei der Falllösung zu durchlaufen gilt. Das Programm liefert den NutzerInnen unmittelbar eine Auswertung ihrer Eingaben. Das „Problemfeld-Wiki“ kann als Trainingspartner bei der Falllösung oder zur systematischen Wiederholung herangezogen werden. Es ist derzeit das gefragteste Tool. Durch einen Multiple-Choice-Test haben die Studierenden schließlich die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen abschließend auf den Prüfstand zu stellen.

Alle drei Module sind dabei so programmiert, dass sie nicht nur vom Institutsteam, sondern ebenso von allen Studierenden problemlos zu erweitern sind. So können sämtliche NutzerInnen ohne Anmeldung neue Einträge im Problemfeld-Wiki oder neue Multiple-Choice-Fragen erstellen sowie bestehende Einträge und Fragen bearbeiten. Alle Änderungen werden im Backend zwischengespeichert, bevor sie – nach einem kurzen Check durch das Institutsteam – online gestellt werden. Das Team möchte hierüber die Studierenden animieren, aus ihrer eher klassischen Rolle der Konsumierenden auszubrechen und zu Mitwirkenden zu werden. Denn es bereitet nicht nur Spaß, selbst Teil des Ganzen zu sein, sondern schafft zusätzliche Lerneffekte und vergrößert die Lernplattform zum Nutzen der anderen.

Neben der Jurcoach-Plattform bietet die Website https://strafrecht-online.org weitere Online-Angebote, die mit den Präsenzveranstaltungen des Instituts verzahnt sind. So kommentieren die Studierenden die umfangreichen Unterrichtsmaterialien jeweils exakt an der Stelle, an der sie nicht weiterkommen. Sie chatten mit dem Lehrstuhlteam. Der Newsletter wiederum diskutiert regelmäßig brisante rechtspolitische Themen und soll im manchmal eher tristen Juraalltag ein wenig Freude bereiten. Die Lehrmaterialien in Gestalt von sog. Karteikarten werden dabei vielfach von Jurastudierenden auch anderer Universitäten intensiv genutzt.

Denn es entspricht der Philosophie des Teams, dass sämtliche Angebote für alle Interessierten frei zugänglich sind. Und die Hoffnung bleibt ungebrochen, dass sich immer mehr Studierende beteiligen, um die Lernbasis auch auf diese Weise zu vergrößern.

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