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Die Referendariatsstationen im Überblick

Das Rechtsreferendariat teilt sich in verschiedene Stationen auf, deren Fokus jeweils auf einem Teilbereich des Prozessrechts liegt.

Die Stationen sind folgende:

  • Zivilrechtsstation bei einem Amts- oder Landgericht (Dauer: 3 Monate)
  •  Strafrechtsstation bei der Staatsanwaltschaft (Dauer: 3 Monate)
  • Verwaltungsstation bei einer Behörde eurer Wahl (Dauer: 3 Monate)
  •   Rechtsanwaltsstation in einer Rechtsanwaltskanzlei (Dauer: 9 Monate
  •  Wahlstation bei einem Volljuristen eurer Wahl (Dauer: 4  Monate)

 

Zivilrechtsstation beim Richter

Die Zivilrechtsstation dauert drei Monate und ihr absolviert sie bei einer Richterin bzw. einem Richter an einem Amts- oder Landgericht. Inhaltlich sollt ihr dadurch einen Einblick in den Zivilgerichtsalltag erhalten, indem ihr ein bis zwei Mal pro Woche an Gerichtsverhandlungen teilnehmt. Im Anschluss an die Gerichtsverhandlungen gibt euch die Richterin oder der Richter eine entscheidungsreife Akte mit nach Hause, für die ihr ein Urteil, Beschluss oder eine Verfügung entwerfen sollt. In den meisten Fällen müsst ihr ein Urteil entwerfen, wodurch ihr auch gleich Übung für die Klausuren bekommt.

Einige Ausbilderinnen bzw. Ausbilder erwarten von einem, dass man auch mal selbst eine mündliche Verhandlung (meist mit Beweisaufnahme) leitet. Dabei ist euch die Verhandlungsleitung komplett allein überlassen, aber euere Ausbilderin bzw. euer Ausbilder sitzen während der Verhandlung neben euch, sodass sie jederzeit korrigierend eingreifen können. Die Station ist auch eine gute Chance den möglichen eigenen Wunsch nach einem Richteramt mit der Wirklichkeit abzugleichen. Die meisten Ausbilder haben in verschiedenen Gerichtsbarkeiten gerarbeitet und geben Ihre Erfahrungen für gewöhnlich gerne weiter. Viele verstehen sich auch mit Ihren Ausbildern so gut, dass sie diese Kontakte später nutzen können. Gerade als junger Rechtsanwalt ist man dankbar, wenn man seinen ehemaligen Ausbilder nochmal die eine oder andere Frage stellen kann. Der Arbeitsaufwand hängt ganz von der konkreten Ausbildungsstation und den Ausbilder ab.

Parallel nehmt ihr wöchentlich an der Zivilrechts-AG teil, in der euch eine Zivilrichterin oder ein Zivilrichter auf die Klausuren vorbereitet. Die Qualität der Lehrveranstaltungen schwankt dabei erfahrungsgemäß gewaltig. Wenn man den geforderten Stoff auf diesem Wege nicht erlernen kann, sollte man den Besuch eines Repetitoriums in Betracht ziehen.

Strafrechtsstation bei der der Staatsanwaltschaft

Die Strafrechtsstation absolviert ihr bei der Staatsanwaltschaft und sie dauert drei Monate. Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch vor der Strafrechtsstation eine Staatsanwältin bzw. einen Staatsanwalt eurer Wahl aussuchen und euch ihm zuteilen lassen. Die Strafrechtsstation zählt zu den aufregendsten Stationen des Referendariats, da ihr hier bereits viel Verantwortung übertragen bekommt und einen Einblick in die Funktionsweise der Strafjustiz erhaltet.

Wenn ihr euch keine Staatsanwältin bzw. keinen Staatsanwalt auswählt, werdet ihr vom jeweiligen Oberlandesgericht zugeteilt. Dabei könnt ihr in eine allgemeine Abteilung oder auch eine spezielle Abteilung wie z.B. die Abteilung für Betäubungsmittelkriminalität, Steuerstrafsachen oder organisierte Kriminalität kommen.

Auch die Strafrechtsstation setzt sich wieder aus dem praktischen Teil bei eurer Ausbilderin bzw. eurem Ausbilder und einer AG, die von einem Strafrichter oder Staatsanwalt geleitet wird, zusammen. Ihr erhaltet wöchentlich eine oder mehrere Akten für die ihr Anklagen, Strafbefehle, Einstellungsverfügungen o.ä. entwerfen sollt.

Daneben werdet ihr noch zu Sitzungsvertretungen der Staatsanwaltschaft eingeteilt. Dabei nehmt ihr für eine oder mehrere Verhandlungen am Tag die Rolle der Staatsanwaltschaft wahr, d.h. ihr verlest die Anklage, vernehmt Zeugen oder beantragt Haftbefehle gegen nicht erschiene Zeugen, haltet das Plädoyer und beantragt Strafe oder Freispruch. Da eure Ausbilderin bzw. euer Ausbilder während der Sitzungsvertretung nicht neben euch sitzt, tragt ihr zum ersten Mal eigene Verantwortung. Entscheidend ist letztendlich nur, dass ihr das Ergebnis der Verhandlung vor eurer Staatsanwältin bzw. eurem Staatsanwalt vertreten könnt. Ihr seid dabei in euren Entscheidungen bis zu einem gewissen Grad frei und solltet auch eure eigene Meinung vertreten. Die Sitzungsvertretungen stellen für viele einen Wendepunkt da, wenn nicht mehr der T dem O etwas antut, sondern echte Schicksale verhandelt werden. Als Tipp: Es ist gut sich einige Verhandlungen als Zuschauer anszusehen, um vor der ersten Sitzungsvertretung ein gutes Gefühl und Sicherheit für den Ablauf zu gewinnen.

Verwaltungsstation kann spannender sein als man denkt

Die Verwaltungsstation dauert drei Monate und wird bei einer Behörde absolviert, die man sich frei auswählen kann. Bei beliebten Stationen sollte man sich aber bereits frühzeitig bewerben, da ansonsten alle Referendariatsplätze belegt sind. Als mögliche Behörden sind z.B. der Polizeipräsident, das Fischereiamt oder das Rechtsamt denkbar. Je nach Bundesland sind aber auch Stationen möglich, die nicht so auf der Hand liegen. So gehen gerade in Berlin viele Referendare in die Bundesbehörden wie dem Auswärtigem Amt oder dem Bundesinnenministerium. Für den Bereich Medienrecht kann man sich aber auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Dort kann man in der Arbeitszeit Fernsehserien und Filme nach jugendgefährdenden Inhalten sichten und begutachten.

Je nachdem welche Behörde ihr wählt, kann sowohl die Examensrelevanz der zu bearbeitenden Sachverhalte als auch der zu investierende Zeitaufwand stark variieren. Ihr müsst bei allen Behörden juristische Lösungen für die fachspezifischen Probleme entwickeln. Die wenigsten Ausbildungsstellen haben dabei spezifische Examensrelevanz. Man sollte die Ausbildungsstelle lieber unter dem Aspekt der späteren Berufswahl und dem persönlichem Interesse auswählen.

Begeleitet wird die Verwaltungsstation von einer AG, die von einem Verwaltungsrichter geleitet wird und die euch auf die Klausuren vorbereiten soll.

Rechtsanwaltsstation – der ein Einblick in die Zukunft

Die Rechtsanwaltsstation absolviert ihr bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt und sie dauert neun Monate. Für die Rechtsanwaltsstation könnt ihr euch eine Kanzlei eurer Wahl auswählen. Auch hier gilt, dass ihr euch frühzeitig bewerben solltet, insbesondere wenn ihr eine begehrte Station auswählt. Für die sogenannten Großkanzleien gelten wie immer hohe Zensurhürden. Sollte man diese nehmen schließt sich meist ein persönliches Bewerbungsgespräch an. Gerade bei diesen Stellen, kann man meist das Referendarsgeld ordentlich aufbessern. Die wirkliche Praxis wird man wohl eher in einer kleineren Kanzlei lernen.

Die Rechtsanwaltsstation dauert als einzige Referendariatsstation neun Monate. Das liegt daran, dass die meisten Volljuristen nach dem Studium auch als Rechtsanwalt tätig sind.

Inhaltlich lernt ihr während der Rechtsanwaltsstation die anwaltliche Praxis einmal genauer kennen und beratet Mandanten, bereitet Klagen, Klageerwiderungen u.ä. vor und dürft vielleicht auch mal einen Gerichtstermin wahrnehmen.

Wahlstation – die Chance auf Auslandserfahrungen

Die Wahlstation beginnt direkt im Anschluss an die schriftlichen Prüfungen des Zweiten Staatsexamens, dauert vier Monate und kann bei jedem Volljuristen weltweit absolviert werden. Wo man die Wahlstation absolvieren möchte, kann man frei wählen. Die Dauer der Wahlstation kann in manchen Bundesländern auf drei Monate verkürzt werden, wenn man an vorbereitenden Kursen für die mündliche Prüfung teilnimmt.

 

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